Dieses Mal haben wir uns viel Zeit gelassen mit unserem Fazit.
Wer BASSLINER verstehen will muss wissen, dass es uns nur über wenige Monate im Sommer als feste Gruppe mit festen Bürozeiten gibt. Wenn der jährliche Großauftrag vorbei ist werden die allermeisten Helfer zu Schläfern, die erst im nächsten Jahr wieder aktiviert werden. Dann bleibt viel Arbeit liegen und es gibt wenige Hände die das Projekt ins nächste Jahr tragen.
Wie ist es 2011 gelaufen?
Um zu sehen wie es 2011 gelaufen ist müssen wir viele Betrachtungsweisen angehen. Wir haben uns ja explizit ins Neuland gewagt und Busse nicht nur aus Berlin sondern aus insgesamt 14 Städten organisiert, von denen in 8 niemand von uns (der Kerngruppe) jemals gewesen ist. Die Organisation war dementsprechend kompliziert: Wo sollten die Busse losfahren? Wann sind die besten Abfahrtszeiten? Welche Busfirmen sollen wir beauftragen? Das sind nur einige Fragen die es zu klären gab. Die Organisation war so Zeitaufwändig wie nie zuvor. Zwei Leute haben sich nahezu in Vollzeit um die vorab-orga gekümmert. Dazu kamen freiwillige aus fast allen Städten, die die Fahrten betreut haben, Busplatzhelfer, Barpersonal. Insgesamt waren über 60 Menschen irgendwie am Projekt “BASSLINER 2011″ direkt beteiligt. Die über 100 Busfahrer sind da nicht mitgerechnet. Zum Vergleich: Ein Jahr vorher waren es insgesamt nur 14 Helfer.
-Finanziell:
Am Anfang hatten wir ja als Verein gehofft, wir könnten mit dem riesigen Einsatz irgendwie größere Rücklagen bilden. Manche haben schon davon gesprochen nach der Fusion einen alten “Schrott”-Reisebus für 3000-4000 Euro zu kaufen um damit dann den anderen Projekten die wir gerne mit Bussen unterstützen besser und billiger helfen zu können. Außer Spesen ist leider nichts gewesen, denn unter dem Strich haben die meisten Strecken die wir 2011 angeboten haben ein Minus erwirtschaftet. Ein Mischmasch aus Unwissen und Blauäugigkeit hat dazu geführt, dass praktisch alle Fernstrecken effektiv ein Verlustgeschäft geworden sind. Wir haben nämlich einerseits den Fehler gemacht die Kilometerpreise für praktisch alle Strecken so zu kalkulieren, wie wir sie aus Berlin gewohnt sind. Dazu muss gesagt werden, dass sowohl die Kalkulation als auch der Start des Vorverkaufs lange bevor Angebote vorlagen und Busse gebucht wurden stattgefunden haben. Wir waren überrascht wie viel teuerer als in Berlin so ein Reisebus in Süddeutschland ist. Verschärfend kam hinzu, dass wir praktisch alle Fahrer der Fernverbindungen mit wenigen Ausnahmen in Pensionen der Region einmieten mussten. Das hat richtig Geld gekostet und wäre vielleicht noch irgendwie zu verkraften gewesen, aber dann kam das wirklich böse Erwachen: Wegen des extrem schlechten Wetters, dass ohnehin schon an euren und unseren nerven gezehrt hat, sahen die meisten Busse nach den Rückfahrten natürlich “wie Sau” aus. Ungefähr zwei Wochen nach dem Ferienkomunismus kam dann die erste Rechnung über “Endreinigung wegen erheblicher Verschmutzung” inklusive Fotos des entsprechenden Busses bei uns an. Kostenpunkt: €230,-. Plus Mehrwertsteuer. Und 10 weitere solcher Rechnungen folgten in den nächsten Wochen. Die Kasse ist durch diese Belastungen so tief ins Minus gerutscht, dass nichtmal die Berlin-Verbindung das ganze wieder raushauen konnte. Die Rücklagen waren so gering, dass Sie im Oktober aufgebraucht waren und mehrere Mitglieder des Kollektivs dem Verein einen Überbrückungskredit geben mussten um die Serverkosten bis Januar begleichen zu können und den Verein in den nächsten Vorverkauf retten zu können. Finanziell sah es also Mager aus, was auch ein Grund ist warum wir die sonst übliche Spende an den Kulturförderfond nicht in der üblichen Höhe abgeben konnten. Immerhin 700€ haben wir trotz allen Widrigkeiten aus unseren Barumsätzen am Busplatz an den Fond gespendet.
Zahlen, Fakten & Kritik
Kurzum, der Einsatz 2011 war größer, aufwändiger und stressiger als jeder vorhergegangene. Vielleicht sogar als alle vorhergegangenen Zusammen. Das ist Strittig. Wir finden, dass wir es trotzdem extrem gut gemeistert haben und die meisten Leute mit unserem Service durchwegs zufrieden waren.
Der Einsatz noch mal kurz zusammen gefasst:
-Mehr als 11500 Fahrgäste
-Am Sonntag und Montag mehr Abfahrten & Fahrgäste am Fusion ZOB als am Berliner ZOB.
-Mehr als 230 Busfahrten
-Über 100 Busfahrer
-Insgesamt überschlagen mehr als 4000 Stunden “Arbeit”
-92% aller Abfahrten waren pünktlich oder weniger als 10 Minuten verspätet.
-Bei insgesamt 4 von 230 Fahrten kam es zu erheblichen Verspätungen von 3-8 Stunden. (Bremen, Amsterdam, Bielefeld-Osnabrück)
Wir wollen uns kurz auch zu den Kritikpunkten äußern, die vor allem von den Leuten gekommen ist, die von Verspätungen betroffen waren. Wir alle kennen den Spruch “wo gehobelt wird da fallen Späne”. Das macht es selbstverständlich nicht weniger nervig wenn man selbst der Betroffene ist. Insgesamt war die Atmosphäre am Busplatz dieses Jahr so emotional wie noch nie, was sicherlich vor allem mit dem zermürbenden Wetter zu tun hatte. Da nervt es dann natürlich doppelt und dreifach, wenn die geplante Abreise sich verspätet und man am Busplatz warten muss. Wir versuchen mit aller Kraft und wie unsere Verspätungsstatistik zeigt auch mit sehr großem Erfolg solche Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Am Ende sind wir aber nur ein Vermittler, wir haben weder eigene Busse, noch üben wir Kontrolle über die Fahrer aus. Wir sind also auf die Vertragsgerechte Erfüllung der beauftragten Busunternehmer angewiesen. Falls ein Bus kaputt geht oder ein Busunternehmer es verplant, sind uns meistens die Hände gebunden und wir können nichts tun außer euch zu besänftigen. Natürlich beauftragen wir die entsprechenden Unternehmen nach einem schweren Verspätungsfall nie wieder, weshalb wir bei unseren Verbindungen aus Berlin mittlerweile seit mehreren Jahren tolle Beziehungen zu unseren Partnern haben die einerseits wissen worauf sie sich einlassen und andererseits extrem zuverlässig agieren. Nun ist aber im Zuge des Einsatzes 2011 in drei Fällen das Kind so richtig in den Brunnen gefallen:
1) Eine Hinfahrt aus Bremen war deutlich (ca. 4 Stunden) verspätet. Der Fahrer fuhr dann zum Unmut der Fahrgäste auch noch unter verweis auf einen vermeintlichen Stau die gesamte Strecke über Landstraßen.
Unsere Antwort: Tut uns leid. Wir hatten keinen Einfluss auf den Fahrer.
2) Bei der Hinfahrt aus Köln ist der Bus kaputt gegangen und alle Fahrgäste mussten über ca. 4 Stunden auf einer Raststätte warten bis ein Serviceteam den Bus repariert hatte.
Unsere Antwort: Leider kann man solche Vorfälle nicht beeinflussen. Wir geben die Schuld auch nicht dem Busunternehmen. Maschinen gehen kaputt. Uns tut es aber für alle betroffenen Leid. Wir haben praktisch während der Gesamten Zeit mit dem Betreuer der Fahrt und dem Busunternehmer in Kontakt gestanden und als nach 3 Stunden noch immer keine Weiterfahrt abzusehen war, haben wir selbstständig (ohne den Busunternehmer) begonnen uns um einen Ersatzbus zu kümmern. Der Ort war so nah am Festival, dass wir beschlossen haben zwei Shuttle-busse vom Festival abzuziehen und zu der Raststätte zu schicken. Dann war der Bus aber auf einmal wieder einsatzbereit und die Reise ging weiter.
3) Beide Rückfahrten nach Bremen waren deutlich verspätet. In einem Fall mussten die Fahrgäste nach der halben Strecke in einen anderen Bus umsteigen. Von den Fahrgästen haben wir sehr unschöne Geschichten über den Fahrer gehört.
Unsere Antwort: Wir entschädigen alle Fahrgäste dieser Fahrten. Die Fahrgäste können sich selbst aussuchen ob Sie finanziell oder mit einer Freifahrt entschädigt werden wollen. Die finanziellen Entschädigungen werden aber erst sobald wieder Geld da ist (siehe “Finanziell”) ausgezahlt.
4) Die Rückfahrt nach Amsterdam verzögerte sich um 7 Stunden weil der Bus so spät in Lärz angekommen ist.
Unsere Antwort: Wir haben allen Fahrgästen direkt vor Ort ihren Fahrpreis in Bar erstattet. Außerdem gab es während der gesamten Wartezeit für alle kostenlos Essen & Trinken.
Das waren die 4 schwersten Störfälle in unserem Fahrplan. Wir wollen noch anmerken, dass für die Fälle 1, 2 & 4 das selbe Busunternehmen – die Firma AGT-Busvermietung aus Hamburg und ihre Subunternehmer – verantwortlich waren. Wir werden diese Firma als Konsequenz nie wieder mit Fahrten beauftragen.
Ansonsten war ein großer Kritikpunkt, dass es zu wenig Raum für Gepäck gab. Wir haben bisher immer gesagt, dass alles was mit muss auch mit kommt und hatten keine klaren Gepäckrichtlinien. Nun sind die Reisebusse eher für Omafahrten mit Koffer und Handtasche ausgelegt als für 49 mal Festivalgepäck mit Rucksäcken, Bollerwägen, Bierkisten, Zelten und so weiter. Deshalb müssen wir wohl für das kommende Jahr ein Konzept entwickeln um entweder mehr Platz für Gepäck bereit zu halten oder das Gepäck zu reduzieren.
Denkbare modelle wären einerseits an jeden Bus einen Anhänger zu hängen, was den Nachteil hat, dass die Busse dann nur 80km/h statt 100km/h fahren dürfen. Außerdem würden die Kosten natürlich deutlich steigen.
Das andere Model wäre das Gepäck einzuschränken. Zum Beispiel wäre es eine Überlegung wert, die Mitnahme von Getränkekisten zu untersagen. Getränke könnten dann später in den Super- und Getränkemärkten rund um Lärz gekauft werden. Das ist die wahrscheinlichste Lösung, aber eine endgültige Entscheidung steht bisher noch aus.
Positiv nach vorne blicken…
Insgesamt war der Einsatz zwar zermürbend, hat aber trotzdem viel Spaß gemacht und wir haben viele Komplimente bekommen. Dafür wollen wir uns bedanken. Jetzt geht es in die Vorbereitung für das kommende Jahr. Uns wir versuchen wie immer alles schlechte auszumerzen und viel gutes neu zu erfinden.
Eine der großen Neuerungen für 2012 wird die “Login” Area für die Fahrgäste auf unserer Webseite sein: Dort könnt ihr Buchungen überblicken, Boarding-pässe herunterladen und Umbuchungen kostenlos selbst vornehmen.
Die Zweite Baustelle ist der Fusion Zob: Vielen hat unser Aufbau im letzten Jahr gefallen. Insgesamt war in unseren Zelten aber zu wenig Platz um dem Wetter zu trotzdem. Deshalb planen wir mit viel größeren Zelten im nächsten Jahr eine gemütlichere Wartezone zu schaffen. Wir hatten ja schon für das letzte mal insgesamt 15 Sofas nach Lärz gebracht, die wir dann aber wegen dem Wetter nicht aufstellen wollten. (Wer will schon auf einem durchnässten Sofa sitzen….) Im nächsten Jahr schaffen wir viel mehr überdachten Platz und teilen unsere Theke besser auf, so dass Verpflegung nicht am selben Schalter gekauft werden muss an dem auch Businformationen eingeholt werden. So hoffen wir alle etwas zügiger Bedienen zu können.
Wir freuen uns mit euch zusammen auf eine tolle Fusion 2012 und planen schon jetzt für euch ein weiteres Mal den größten Buseinsatz unserer Geschichte.
From berlin with love,
eure BASSLINER